Ein neuer Radiallaser ersparte mir das Venen-Stripping

Patientin_KlinikgartenVorbelastet. Esther Wolf ahnte, was auf sie zukommt, als sie Anfang diesen Jahres im Spiegel am rechten Bein die Krampfader entdeckte. „Bereits sechs Jahre zuvor hatte ich mir links eine kaputte Vene entfernen lassen,“ berichtet die Hausfrau aus Hilden. „So traf mich die Entdeckung des dunkelblauen Gefäßes, das sich jetzt auf der anderen Seite von der Kniekehle bis zu Fessel schlängelte, nicht ganz unvorbereitet. Trotzdem war ich enttäuscht – schließlich hatte ich seit der ersten OP mehr oder weniger regelmäßig Kompressionsstrümpfe getragen.“

Teilerfolg. Tatsächlich konnten die festen „Beinkleider“, die die 53-jährige fast täglich anzog („es sei denn, es war zu warm“), das Fortschreiten der Krankheit nur verlangsamen, aber nicht verhindern. Vor allem mit Einsetzen der Wechseljahre kam es immer öfter zu Druckgefühl, Wasseransammlungen in den Füßen und Schwellungen. „Je nach Wetterlage litt ich unter dicken Knöcheln. Manchmal fühlte es sich an, als ob mir jemand mit einem Messer ins Bein pieksen würde.“

Diagnostik_Beine2Erfahrung. Trotzdem zögerte Esther Wolf fast ein halbes Jahr, bevor sie sich wieder ans Venenzentrum Nordrhein-Westfalen in Hilden wandte. Das Stripping der Krampfader hatte die Patienten als nicht ganz angenehm in Erinnerung. „Damals wurde bei mir in die kranke Vene eine Sonde eingeführt, die Seitenäste freipräpariert und dann der oberflächliche Gefäßstamm herausgezogen“, erinnert sie sich. „Zwei Tage musste ich einen engen Verband tragen. Und bis die blauen Flecke am Bein abgeheilt waren, dauerte es mehr als zwei Wochen.“

Wechsel. Doch diesmal konnte der inzwischen neue Chefarzt Dr. Horst Peter Steffen seiner Patientin ein ganz innovatives und schonendes Verfahren zur Behandlung der Venenschwäche vorschlagen: An der Capioklinik in Hilden macht seit zwei Jahren eine neue Radiallaser-Therapie das Entfernen von Krampfadern überflüssig!

Diagnostik_DuplexAufklärung. „Varizen – so der medizinische Name – sehen nicht nur hässlich aus. Sie schädigen auf Dauer durch den Blutstau auch das umliegende Gewebe – und dieser Prozess kann bis hin zum offenen Bein fortschreiten,“ erklärt Chefarzt Dr. Horst Peter Steffen. „Durch langes Sitzen oder Stehen steigt zusätzlich das Risiko, dass das Blut in den vorgeschädigten Venen verklumpt, es zur Thrombose oder gar zu Embolien kommt. Je eher wir bei ihnen handeln, desto unwahrscheinlicher Folgebeschwerden. Erreicht wird das mit einer modernen, stadiengerechten Gefäß-Behandlung.“

Arztgespraech_RadiallaserNeuerung. Im Gegensatz zum bekannten Stripping, bei dem die kranke Vene nach Einführen einer Sonde durch einen kleinen Schnitt herausgezogen wird, kann beim neuen Katheter-Verfahren die Vene im Bein verbleiben. „Dazu wird unter Ultraschallkontrolle eine dünne Sonde in die Krampfader eingeführt“, veranschaulicht Dr. Steffen Esther Wolf im Vorgespräch. „An ihrem vorderen Ende befindet sich eine dünne Spitze aus Glas. Die sorgt dafür, dass das gebündelte Laserlicht nicht nach vorne, sondern ausschließlich seitlich, also radial ausgeschickt wird.“

Schonend. Der Vorteil: gesundes Gewebe, das vor der Spitze liegt, wird geschont. Gleichzeitig erhitzt das energiereiche Laserlicht die seitliche Venenwand auf 110 Grad. Während der Katheter sukzessive langsam zurückgezogen wird, wird so die Venenwand unwiederbringlich zerstört.

Eingriff_Anzeichnen2Selbstheilung. „Die Vene zieht sich zusammen und wird in der anschließenden Selbstheilungsphase innerhalb der nächsten Wochen vom Körper abgebaut“, beendet Dr. Steffen seine Erklärung. „Stripping-Folgen wie mögliche Blutergüsse, Entzündungen, Nervenverletzungen und Schmerzen sind deutlich seltener.“

Termin. Es dauert nur ein paar Tage bis die Frau aus Hilden von Ihrer Krankenkasse für den Eingriff grünes Licht bekommt. Anfang Juli ist es soweit. Um halb acht kommt Esther Wolf für den Eingriff ins Venenzentrum. Dort wird der zu behandelnde Bereich angezeichnet, anschließend das Bein desinfiziert und das Bein örtlich betäubt.

Sicher. „Der Vorteil zur Vollnarkose besteht darin, dass die Patienten uns mitteilen können, wenn wir in die Nähe eines Nervs kommen“, sagt der Gefäßspezialist. „Dadurch können wir belastende Gefühlsstörungen, die früher häufig nach einer Krampfader-OP auftraten, deutlich reduzieren.“

Eingriff_Ultraschallkontrolle2Schnell. Esther Wolf erlebt den Eingriff trotz der örtlichen Betäubung nicht als belastend: „Ich bekam zwar mit, dass das Bein bewegt wurde, doch Schmerzen oder Stiche spürte ich nicht. Nach 30 Minuten war alles überstanden und statt einer festen Bandage wurde lediglich ein angenhmer Strumpf übers Bein gezogen.“

Patientin_EstherWolfAmbulant. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Ruhebereich kommt sie aufs Zimmer, darf dort die ersten paar Minuten herumlaufen. Der Wechsel zwischen 40 bis 50 Minuten Liegen und 10 bis 20 Minuten herumlaufen wiederholte sich dann bis zum Nachmittag noch ein paar Mal“, erzählt sie. „Um 16 Uhr kam Dr. Steffen zur Abschlussvisite und anschließend konnte ich nach Hause – und zwar ohne Verband.“

Nachkontrolle. Beim Kontrolltermin eine Woche später ist die kleine Eingriff-Stelle bereits komplett verheilt. „Um weiter Krampfadern zu verhindern, bekam ich per neuem 3-D-Vermessungssystem erneut Kompressionsstrümpfe angepasst – das war alles“, strahlt Esther Wolf über den raschen Heilungserfolg. „Danach habe ich zwar noch möglichst oft die Beine hochgelegt, aber Schmerzen hatte ich keine mehr. Nur ab und zu hat es ein klein bisschen gezwickt. Doch spätestens zwei Wochen später erinnerte mich nichts mehr an den Eingriff.“

Chefarzt_DrSteffen2Der Arzt: Gefäßspezialist

Seit November 2009 ist Dr. Horst Peter Steffen (49) Chefarzt der Capio Klinik im Park in Hilden (nahe Düsseldorf). Der Gefäßchirurg war einer der Ersten, die per Laser- (980nm) und Radiofrequenztherapie das Venenstripping vermieden haben. Seit wenigen Jahren setzt er jetzt auf das konzentrierte Laserlicht (Wellenlänge 1470 nm).

Diagnose: Im Venenzentrum Nordrhein-Westfalen (über 6000 Operationen pro Jahr) wird die Voruntersuchung ambulant durchgeführt, dauert ca. 30-40 Minuten. Per „Doppler“ wird die Blutbewegung sowohl hörbar als auch auf einer Kurve sichtbar erfasst. Mit der „Duplex-Sonographie“ können sowohl die Venenklappen, als auch der Blutstrom in den Beingefäßen farblich sichtbar gemacht werden.

Eingriff_LaserbehandlungTherapie: Dank der modernen Lasertherapie kann eine Venenschwäche gerade im frühen Stadium immer schonender behandelt werden. Nur noch selten ist anschließend eine Phlebektomie notwendig. Bei dem minichirurgischen Eingriff werden kleinere „Seitenast-Krampfadern“ nur über kleine Einstiche mit Hilfe von Spezialinstrumenten „herausgehäkelt“. Der neue Laser-Verschluss der oberen Stammvene nimmt den Druck aus dem System und vergrößerte Venenäste verschwinden meist von selbst.

Selbsthilfe_Venengymnastik4Die Krankheit: Krampfadern

Hierzulande haben rund 15 Millionen Frauen eine Venenschwäche. Nicht nur, dass sich ihre Beine müde und schwer anfühlen, die Knöchel dick geschwollen sind und Krampfadern und Besenreiser besonders hervortreten. Wer schwache Venen hat, hat ein höheres Risiko an Thrombosen oder gar einer Embolie zu erkranken.

Überlastung. Langes Stehen und wenig Bewegung sind Gift für die Beine. Das Blut staut sich, die Venen werden überdehnt, die Klappen überlastet, die für den Blut-Rücktransport zum Herz sorgen sollen.

Selbsthilfe: Sport ist das A und O für gesunde Venen und schlanke Beine. Schwimmen, Radeln, Laufen, Walken und Tanzen sind ideal.

Kompressionsstrumpf_VermessungProfessionell: Täglich Venengymnastik aktiviert die Muskelpumpe, entstaut und beugt Blutgerinnseln vor. Extratipp: Gehen Sie zu Hause möglichst oft barfuß.

Strümpfe: Moderne Kompression bleibt weiterhin die Basis jeder Venenbehandlung. Perfekt sitzende Stümpfe geben den Venenklappen neuen halt, so dass sie wieder richtig schließen können. Ein Versacken des Bluts in den Beinen wird so verhindert. Keine Sorge: Zum Anziehen gibt es gute Hilfen.

Mehr Infos:Kontakte & Tipps

Venenklinik_HildenDas Venenzentrum Nordrhein-Westfalen hat eine Kassenzulassung. Die Behandlung per Laser wird inzwischen nicht nur von privaten Kassen bezahlt, sondern immer häufiger auch von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei Selbstzahlung entstehen den Patienten Kosten von ca. 1500 €.


Klinikkontakt
: Capio Klinik im Park, Venenzentrum Nordrhein-Westfalen, Hagelkreuzstraße 37, 40721 Hilden, T.: 02103-896-0, www.capio-klinik-im-park.de

Hinweis: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall den Besuch beim Arzt ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages