Die Verkalkungen im Bein wurden per Laser weggeschmolzen

Erfolg_Beschwerdefreiheit2Anfang 2015 waren die 500 Meter zum Haus der Tochter – und damit zum geliebten Enkelkind – für Elisabeth Schwab ein kaum zu überwindenes Hindernis. Nach gut zwei Drittel der Strecke zwangen heftige Wadenschmerzen die 58jährige Bayerin aus der Nähe Münchens zum Stehenbleiben „Obwohl das Haus in Sichtweite vor mir lag, musste ich für ein paar Minuten eine Pause einlegen – so heftig waren die beißende Qualen im linken Unterschenkel,“ erinnert sie sich. „Erst wenn sich das Brennen gelegt hatten, konnte ich die restlichen 100 Meter weitergehen.“

Erfolg_GartenarbeitBewegungsmensch Dabei ist Elisabeth Schwab alles andere als ein Sportmuffel. Als Mutter und Großmutter ist sie ständig auf den Beinen. In ihrer Freizeit werkelt die schlanke Nichtraucherin gerne im Garten, geht mit ihrem Mann regelmäßig über die Feldwege spazieren, die gleich hinterm schmucken Haus in Maisach beginnen. „Noch im September 2014 hatte wir eine Städtereise nach Hamburg gebucht. Beim Spaziergang an der Alster trat dann erstmals der Schmerz im linken Bein auf,“ berichtet sie.

Symptome_Beinschmerzen2Vorbelastet Das erhebliche Risiko, das von der Gefühlsstörung ausging, war Elisabeth Schwab durchaus bewusst. „Bereits meine Mutter und Großmutter litten am Ende ihres Lebens unter der Schaufensterkrankheit. Das klingt zwar harmlos, ist aber alles anderes als das: als ich Zwölf war, musste bei meiner Oma wegen der verfärbten, offenen Stelle am Fuß der ganze Unterschenkel amputiert werden. Leider starb sie keine zwei Jahre später. Dann erkrankte gleichfalls meine Mutter an der Durchblutungsstörung – und erlitt letztlich einen tödlichen Herzinfarkt!“

Diagnostik_Ultraschall2Termin Tatsächlich hatte auch Elisabeth Schwab schon einmal Bekanntschaft mit der peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit – so der medizinisch korrekte Name – gemacht. 2008 war in ihrem rechten Bein oberhalb des Knies eine Verengung diagnostiziert worden. In der Gefäßchirurgie des Helios Klinikum München West konnte diese zum Glück erfolgreich behandelt werden. Dort rief sie gleich nach Rückkehr aus Hamburg an und bekam bei Chefarzt Dr. Reza Ghotbi (52) Termin zur Voruntersuchung.

Arztgespraech_Laser3Innovation „Wie beim ersten Eingriff am rechten Bein werden wir jetzt auch links von der Leiste aus versuchen, per Katheter das verkalkte Gefäß zu öffnen“, besprach mit ihr ein paar Wochen später der renommierte Gefäßchirurg. „Allerdings statt nur mit Draht und Ballon zu arbeiten, steht uns seit kurzem fürs Rekanalisieren etwas Neues zur Verfügung – ein spezieller Gefäßlaser, mit dem wir die steinharten Ablagerungen in der Beinschlagader viel schonender entfernen können.“

Experte_ModellVorteil Der besondere Vorteil des extrem gebündelten, energiereichen Lichts ist, dass mit jedem „Schuss“ des Excimer-Lasers die kalkhaltige Plaque Millimeter für Millimeter verdampft wird. „Statt mit einem Draht und viel Kraft die Engstelle zu öffnen, schmilzt sich der Laser den Weg quasi frei. Statt anschließend per Ballon die Ader mit sechs bis acht Atü aufzubrechen, reichen uns in Folge oft bereits zwei oder drei Atü, um das Gefäß auf den alten Durchmesser zu dehnen. Da die Gefäßwände bei diesem Eingriff weit weniger verletzt werden als nur mit Draht und Ballon, erhoffen wir uns, das die Gefahr eine erneuten Gefäßverschlusses, der Re-Thrombose, gesenkt wird.“

OP_Laserbehandlung5Schnell. Der circa 45minütige Eingriff wird bei Elisabeth Schwab am 17. Februar unter Vollnarkose gemacht. Um das Risiko eines Wiederverschlusses noch weiter zu minimieren, entscheidet sich Dr. Ghotbi zudem, einen medikamenten-beschichteten Stent einzusetzen. Mit einem Druckverband in der Leiste – zum sicheren Verschluss des Zugangs – kommt die Frau wieder zu sich. Bereits am nächsten Tag darf sie wieder aufstehen, kann schmerzfrei den Krankenhausflur heruntergehen.

Selbsthilfe_Gehtraining3Schmerzfrei. „Der Erfolg war erstaunlich“, strahlt sie jetzt bei der Nachuntersuchung. „Quasi augenblicklich war das Bein warm und gut durchblutet. Ich konnte mit dem Gehtraining und regelmäßigem Sport beginnen. Inzwischen fühle ich mich so fit, wie seit zehn Jahren nicht mehr, besuche regelmäßig meinen Enkel und das Thema Beinschmerzen ist – dank des Lasers – für mich vom Tisch!“

 

 

Experte_DrGhotbiDrei Fragen an Dr. Reza Ghotbi (52), Gefäßchirurg:

 Was ist die Ursache der PAVK?

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit handelt es sich um eine Störung der Durchblutung – zu 90 Prozent in den Beinen und zu nur zehn in den Armen. Neben Rauchen führen vor allem Fehlernährung, Bewegungsmangel, aber auch Bluthochdruck, Diabetes, ein erhöhter Blutfettspiegel und – wie im Fall von Elisabeth Schwab –genetische Veranlagung dazu, dass sich aus einer Schädigung der Gefäßinnenwand die folgenschwere Ablagerung bildet.

Angiographie_GefaessverschlussWie verläuft die Krankheit?

Zunächst – im Stadium I – spüren die meisten Betroffenen noch nichts. Hier wird Verengung zumeist rein zufällig im Ultraschall erkannt. Ab Stadium II ist dann die Gehstrecke betroffen. Die Schmerzen zwingen immer früher zum Stehenbleiben – im Stadium IIb bereits nach weniger als 200 Meter. Daher auch der Name: „Schaufensterkrankheit“.

 

Klingt unangenehm – aber was ist daran so lebensgefährlich?

Der Verlauf. Bereits im Stadium III treten die Schmerzen in Ruhe auf und in Stadium IV kommt es zum Untergang von Gewebe. Eine Amputation ist dann oft einzige Rettung. Tragisch: Nach einer Amputation versterben über sechs von zehn Betroffenen innerhalb der nächsten fünf Jahren. Damit ist jede Therapie lebensrettend, die die Amputation verhindern kann.

Laser_Pilotstrahl4Wann kommt der Laser zum Einsatz?

Bei Risiko-Patienten, gerade wenn sie jünger sind, greifen wir auf den Laser zurück, um das Risiko eines Wiederverschlusses zu senken. Vor wenigen paar Jahren war das bereits in den weiteren Gefäßabschnitten im Oberschenkel möglich. Aktuell wurde die Faser bis auf 0,9 Millimeter verkleinert, so dass wir uns auch am Unterschenkel den Weg „freischmelzen“ können.

Diagnostik_RoentgenschirmWie hoch ist die Erfolgsquote?

Etwa jeder zweite Patient, der zu uns ins Gefäßzentrum kommt, ist von einer Amputation bedroht. Dank der stadiengerechten, individualisierten Therapie von der einfachen medikamentösen Behandlung über den Eingriff per Laser-Katheter und medikamentenbeschichteten Stent bis hin zum Gefäßbypass konnten wir in den letzten sechs Jahren die Amputationsrate um 20 Prozent senken.


PAVK_SchaufensterkrankheitSchaufensterkrankheit – Alles andere als harmlos

Fünf Millionen Deutsche leiden an Durchblutungsstörungen in den Beine. Unbehandelt sinkt durch die Gefäßverkalkung die Lebenserwartung um zehn Jahre. Deshalb ist eine frühzeitige Therapie wirklich wichtig.

Typisch Alarmsignale sind Krämpfe, einseitige Schmerzen in Gesäß, Oberschenkel oder Wade, da die Muskulatur zu wenig Sauerstoff bekommt. Oder Gewebeveränderungen wie Verfärbungen der Haut bis hin zum Offenen Bein.

GesundeErnaehrung2Diagnose: Einfach erkannt werden kann die Krankheit per so genannten Knöchel-Arm-Index. Hier wird sowohl an beiden Handgelenken, als auch bei den Fußgelenken der Blutdruck gemessen. Unterschiedliche Werte sind ein ernstzunehmendes Alarmsignal

Selbsthilfe Meiden Sie möglichst fettes Fleisch, Eier und Sahne, verwenden Sie statt dessen pflanzliche Öle. Regelmäßige körperliche Aktivität erhöht das gute HDL-Cholesterin und senkt das schlechte LDL-Cholesterin. Hilfreich ist auch, beim Essen Salz einzusparen. Vorsicht vor allem mit gepökeltem Fleisch und Salzgebäck. Ernähren sie sich möglichst kaliumreich: Bananen, Kartoffel, Erbsen, Spinat.

Experte_Laserkather2Der Arzt: Gefäß-Spezialist

Dr. Reza Ghotbi (52) ist Gefäßchirug und Spezialist für Endovaskuläre Erkrankungen. Er leitet seit 2003 die Gefäßchirurgische Klinik des HELIOS Klinik München West mit 60 Betten. Zudem ist er Chefarzt in der Amperklinik in Dachau (29 Betten)

 

 

Klinik_HeliosWestMehr Infos:

HELIOS Klinikum München West, Gefäßchirurgische Klinik, Steinerweg 5, 81241 München, Tel. 089/8892-2628, Internet: www.helios-kliniken/muenchen-west

 

 

Hinweis: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass mein Artikel in keinem Fall den Besuch beim Arzt ersetzt. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages