Nach drei Jahren bekam ich jetzt endlich meine lästige Gesichtsröte in Griff

Ausloeser_SonneErleichterung. Früher hat Sonja Wilde (30, Name geändert) den Sommer geliebt. Fuhr mit 18 alleine in den großen Ferien nach Spanien – und kam braungebrannt „wie ein Hottentott“ zurück. Doch seit drei Jahren ist die Berlinerin erst glücklich, wenn die Vogelbeeren reif sind und ein kräftiger, kühler Westwind die ersten gelben Blätter durch die Straßen der Spreemetropole bläst

Veränderung. „Es begann mit einem leuchtend roten Fleck auf der Wange bei praller Sonne und Temperaturen über 30 Grad. Die Veränderung fiel meinem Freund auf. Wenige Monate später sah ich aus, als würde ich mich regelmäßig mit Schmirgelpapier abschminken!“

Symptom_Gesichtsroetung5Verlauf. Die anschließende, kühle Jahreszeit schenkte Sonja eine kurze Atempause. Doch schon am nächsten, warmen Frühlingstag loderten beide Wangen erneut feuerrot auf.

Trigger. „Besonders heftig waren die Flushs, wenn ich scharf gegessen hatte oder im Stress war. Dazu kamen kleine Eiterpickelchen in dem immer weiter ausufernden Areal – während der ganzen Pubertät hatte ich nicht so viele Pickel, wie im Sommer vor zwei Jahren.“

Folge_IsolationTarnung. Kannte die Bankangestellte Hautprobleme bislang vom Hören-Sagen, sah ihr Gesicht nun aus „wie ein Feuermelder“, wie sie sagt. „Schminkte ich mich früher kaum, trug ich nun jeden Morgen eine Schicht Abdeckcreme auf – versteckte so gut es ging hinter Camouflage mein Problem während der Arbeit. Ich wollte ja nicht unsere Kunden verschrecken.“

Reinigung. Auf die Idee, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, kam Sonja Wilde nach weiteren sechs Monate, in denen es nicht besser wurde. „Mein Hausarzt war sich nach kurzem Blick ziemlich sicher, dass ich ,nur’ an einer Erwachsenen-Akne leiden würde. Doch sein Mittel zur Hautreinigung änderte an meinen Problemen gar nichts.“

Diagnostik_Rosacea2Gefäßerweiterung. Gleiches galt für die Kortison-Creme, die ihr eine Urlaubsvertretung verordnete. Das reduzierte zwar kurzfristig die Pickelchen. Doch die Verfärbung blieb, wurde – im Gegenteil – immer kräftiger. Im Herbst 2015 schimmerten erstmals kleine Blutgefäße durch die Haut.

Sprechstunde. In ihrer Not beschloss Sonja, sich an jemanden zu wenden, der sich damit auskennt, ließ sich einen Termin in der renommierten Universtitätsklinik Charité geben. In der Spezialsprechstunde „Ästhetische Dermatologie“ erkannte Privatdozentin und Oberärztin Dr. Maja Hofmann (41) rasch, welche Ursache hinter den seelisch belastenden Beschwerden steckte: Rosacea!

GDiagnostik_Dermaskopefahr. „Wörtlich übersetzt bedeutet das ,Rosenblüte’“, erklärt die Berliner Hautärztin ihrer Patientin nach Untersuchung per Dermatoskop. „Die rätselhafte Gesichtsröte klingt harmloser, als sie wirklich ist: tatsächlich gibt es Verläufe, die unbehandelt in Entstellungen enden. Deshalb ist es gut, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen.“

Therapie_GelKomplex. Ein weiteres Problem:Die exakte Ursache für die lästigen Rötungen mit Hitzewellen, die erweiterten Äderchen, die hässlichen Knötchen, Pusteln und Schwellungen an Stirn, Nase, Kinn und Wangen kennt man leider (noch) nicht. „Vermutet wird ein komplexes Zusammenspiel aus äußeren und inneren Faktoren“, so die Ärztin. „Deshalb muss die Rosacea ein Leben lang beobachtet und behandelt werden.“

Expertin_LaserDoppelschlag. Andererseits hat es gerade in der Therapie in den letzten fünf Jahren einen erheblichen Schritt nach vorne gegeben. „Inzwischen können wir z.B. die lästige Gefäßerweiterung nicht nur per Laser veröden, sondern in der Fläche auch medikamentös per Gel positiv beeinflussen.“

Laser. Die Behandlung mit dem extrem gebündelten, energiereichen Licht erfolgte bei Sonja im Winter letzten Jahres – „wichtig ist, dass die Haut nicht gebräunt ist“, erklärt Dr. Hofmann. „Insgesamt dauert die nicht ganz schmerzfreie Behandlung zwischen 20 und 30 Minuten.“

Therapie_Laser4Trick. Das energiereiche, grünwellige Licht passiert die oberen Hautschichten problemlos und reagiert erst in den feinen Adern auf den roten Blutfarbstoff. Es entsteht Wärme und das Gefäß wird von innen quasi verschweißt.

Selbsthilfe_Gel4Verordnung. Für die Selbstbehandlung daheim wurde Sonja dann ein Gel mit dem Wirkstoff „Brimonidin“ verordnet. Der Wirkstoff verengt nach Auftragen auf die Haut rasch die Hautgefäße und die Rötungen „verschwinden“ für einen Zeitraum von bis zu 12 Stunden. Im Rahmen mehrere Studien konnte vor wenigen Jahren nachgewiesen werden, dass in der täglichen Anwendung das Gel die Rötung innerhalb von 30 Minuten deutlich bessert.

Selbstbeobachtung. „Ganz wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist, dass jeder Patient selbst mithilft, die Symptome zu lindern“, betont Dr. Hofmann. „Das Rosacea-Tagebuch hilft, individuelle Auslöser zu erkennen und zu vermeiden.“ (Vorlage im Internet: rosacea-info.de) Bei Sonja detektierte die Ärztin vor allem Sonnenlicht, scharfe Gewürze und Temperaturwechsel als Triggeraktoren, um die sie in Zukunft einen Bogen machen sollte.

Erfolg_Rosacea4Kosmetik. Mit der richtigen Hautpflege lernte Sonja zudem, der Haut Gutes zu tun. Empfehlenswert gegen die Sonne sind z.B. Gele oder Fluids mit Schutzfaktor 50plus.

Erfolg. „Morgens wasche ich mein Gesicht inzwischen nur noch mit lauwarmen Wasser und einem milden Syndet. Anschließend tupfe ich meine empfindliche Haut vorsichtige ab und creme mich mit einer leichten, fettfreien Tagespflege ein“, erzählt sie. „Die Rötung ist dank der Kombitherapie aus Laser und Gel kein Problem mehr. Nach drei Jahren fühle ich mich endlich wieder wohl in meiner Haut.“

 

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Vier Fragen an die Berliner Hautärztin PD Dr. Maja Hofmann (41), Internet: www.derma.charite.de

Woran erkenne ich Rosacea?

Das ist gerade Anfangs gar nicht so leicht. Denn die erste Anzeichen ähneln oft dem normalen Erröten. Nur sorgt in unserem Fall nicht nur Stress für die anfallsartigen Flushs, sondern auch andere Trigger wie Sonnenlicht, scharfes Essen, Alkohol oder abrupte Temperaturwechsel.

Ausloeser_ScharfesEssenWarum sollte ich zum Arzt?

Rosacea ist nicht heilbar. Aber es gibt wirksame und gut vertägliche Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist vor allem, dass das verschriebene Medikament nach Angaben des Arztes verwandt wird. Bis sich sichtbare Erfolge einstellen, kann es mehrere Wochen dauern – zum Teil auch Monate. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab und besprechen Sie mit dem Arzt alternative Behandlungsmöglichkeiten.

Wie pflege ich meine Haut?

Rosacea-Betroffen haben meist eine besonders empfindliche Haut. Die Hautpflege sollte nicht zu fetthaltig sein und sollte möglichst wenig Zusatzstoffe enthalten, die die Haut reizen könnten. Die Hautpflege sollte schnell einziehen, die Haut beruhigen und langanhaltend mit Feuchtigkeit versorgen. Empfehlenswert sind spezielle Pflegelinien, die speziell auf Rosaceahaut abgestimmt sind.

Therapie_Gel6Welche neuen Therapiemöglichkeiten gibt es?

Momentan tut sich sehr viel in der Erforschung der Krankheit und der Entwicklung neuer Medikamente. Ein erster, großer Fortschritt war die Zulassung von neuen lokal wirksamen Medikamenten, mit denn wir seit kurzem die Gefäßerweitung positiv beeinflussen können (z.B: Mirvaso). Dazu kommt: Ein wichtiger Co-Faktor für stärkere Reaktionen der Haut kann die übermäßige Besiedelung mit so genannten Demodex-Milben sein. Auch hier steht uns Hautärzten medikamentös Neues zur Verfügung.

 

Steckbrief Rosacea

Die Rosacea ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Erwachsenenalter. In Deutschland sind vier Millionen betroffen. Frauen erkranken häufiger als Männer. Bei Männern sind dafür die Symptome oft stärker ausgeprägt.

Symptom_Gesichtsroetung2Die Hauterkrankung beginnt üblicherweise im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Vorstufen sind vielfach schon früher sichtbar – insbesondere plötzlich auftretende Gesichtsrötungen, die dann wieder verschwinden.

Die Namensgebung der Erkrankung geht auf die Ähnlichkeit der Gesichtsrötungen mit dem Aufblühen von Rosengewächsen zurück (rosaceus, lateinisch: rosenfarbig). Die Veranlagung für die Rosacea ist vererbbar. Dabei erkranken helle Hauttypen häufiger als dunkle.

Bei Rosacea sind die feinen Äderchen (Kapillaren) der Gesichtshaut zum Teil dauerhaft geweitet (Teleangiektasien). Das führt zu einer Rötung der Haut. Weitere Anzeichen sind Knötchen (Papeln) und Eiterpickel (Pusteln) im Gesicht. Diese gehen auf eine Entzündung zurück. Im Verlauf der Erkrankung kann sich gelegentlich auch eine knotige Verdickung der Nase bilden oder die Erkrankung vom Lidrand aufs Auge überspringen.

Kurztest – Leide ich unter Rosacea?

  • Zeigen sich bei Ihnen an Wange, Stirn, Kinn oder Nase rote Hautflecken, Blutwallungen oder erweiterte Äderchen?
  • Haben Sie seit kurzem vermehrt Knötchen oder Eiterpickel im Gesicht?
  • Brennt oder spannt Ihr Haut des Öfteren?
  • Führen Sonne, scharfe Speisen, Temperaturwechsel zu anhaltenden Gesichtsrötungen?
  • Sind Sie über 30 Jahre alt und sind Sie ein hellerer Hauttyp?

Auswertung: Mit jeder positiven Antwort steigt Ihr Risiko, dass Sie Rosacea haben. Werden Sie aktiv und vereinbaren Sie einen Termin beim Hautarzt. Er stellte eine genaue Diangose und kann die geeigneten Medikamente für Sie verordnen.

 

Klinik-Kontakt: Oberärztin Privatdozentin Dr. med. Maja Hofmann, Ästhetische Dermatologie, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Tel: 030-450518065, www.derma.charite.de

Info Rosacea : www.rosacea-info.de

Info Patiententagebuch: http://www.rosacea-info.de/pdf-download/rosacea-tagebuch.pdf

Hinweis: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages