Anti-Stress-Programm senkte meinen Blutdruck auch ohne Medikamente

Treppensteigen_SchrittzaehlerAusfall. Das Gefühl, sie hat Energie für drei Leben, war für Jana Pfeiffer (Name geändert) ganz normal. Erfolgreich im Job, drei-, viermal die Woche ins Fitness-Studio und dazu noch jede Menge Kraft und Zeit für Freund, Familie, Party. Alles lief super, bis Anfang diesen Jahres. Da leuchtet plötzlich vorm geistigen Auge der 30jährigen Immobilienkauffrau eine imaginäre Tankwarnleuchte auf: Kurz nach dem runden Geburtstag ging ihr nicht nur körperlich, sondern auch mental die Puste aus – so als ob Dreißig das neue Sechzig ist…

Atemlos. „Ich kam nach Feierabend nicht mehr zur Ruhe, konnte nachts und am Wochenende kaum noch Kraft tanken. Fast alle privaten oder geschäftlichen Termine erlebte ich als Belastung“, erzählt die schlanke Frau. „Selbst mein geliebter Sport machte keinen Spaß mehr. Ich kam früher aus der Puste, fing leicht an zu schwitzen. Und nachts im Bett spürte ich, wie mein Herz stolperte“.

Patientin_Messung2Befund. Deshalb war es Jana Pfeiffer ganz recht, als der Gynäkologe beim Routinecheck mal kurz den Blutdruck mitmaß. Das Ergebnis war allerdings alles andere als gut: mit 160 zu 100 mmHg lag sie sowohl deutlich über den oberen Normbereich von 120 bis 129 mmHg, als auch über den unteren von 80 bis 84 mmHg. Jana wurde umgehend zu ihrem Hausarzt geschickt. Dort bestätigte eine Langzeitblutdruckmessung die Diagnose „Hypertonie“ – und die junge Hamburgerin bekam erstmals Betablocker verordnet.

Nebenwirkung. „Sehr zwiegespalten griff ich zur Tablette. Einerseits hatte mein Hausarzt mir eingeschärft, dass ich ohne die Blutdrucksenker lebensbedrohliche Erkrankungen an Herz oder Gehirn, den Nieren oder Augen riskieren würde; andererseits fühlte ich mich erst richtig krank, nachdem ich täglich die Blutdrucksenker einnehmen musste“.

Arztgespraech_MessprotokolTeufelskreis. Vor allem tagsüber litt Jana Pfeiffer unter mangelnder Leistungsfähigkeit, kam dadurch in immer größeren Stress. „Nachts dagegen fand ich kaum Ruhe. Als mir der Arzt deswegen weitere Medikamente verordnen wollte, blockte ich ab. Ich fühlte mich zu jung, lebenslang Tabletten zu schlucken. Ich wollte etwas anderes.“

Neu. Eine Bekannte empfahl ihr, sich an einen Blutdruckspezialisten zu wenden, einen so genannten Hypertensiologen. „Tatsächlich muss laut Leitlinien nur bei mehreren Risikofaktoren, wie Diabetes, bestehenden Schäden an Organen oder bei Werten über 180 zu 110 sofort medikamentös behandelt werden“, erklärte Dr. Björn Paschen (50). „Einen Großteil der zwanzig bis dreißig Millionen Betroffenen hierzulande würde es reichen, wenn die Regulation des Körpers zwischen Anspannung und Entspannung wieder funktioniert.“

Diagnostik_NierenschallIndividuell. Auch bei Jana bestätigte ein ausführlicher Check per Belastungs-EKG, Nieren- und Gefäßultraschall und Laboruntersuchung die generelle Gesundheit der Organen und Gefäßen. So entwickelte Dr. Paschen zusammen mit seiner Patientin den Plan, mehr Ruhe und Entspannung in den Alltag der 30jährigen zu bringen. Das Ziel: mittelfristig die medikamentöse Therapie ausschleichen zu können.

Arztgespraech_Entspannung2Studie. „Eine Meta-Analyse mehrerer medizinischer Studien hat ergeben, dass regelmäßige Entspannungsübungen den oberen, systolischen Wert um etwa sechs, den unteren, diastolischen Wert um gut drei mmHg senken können“, erläutert Dr. Paschen. „Bereits eine solche Verringerung kann das Risiko eines Schlaganfalls erheblich reduzieren.“

Einfach. Neben anderen Entspannungstechniken hat der Internist gute Erfahrung mit dem MindChange-Audioprogramm von Mindvisory gesammelt. „Hier können die Patienten einfach, mit wenig Vorkenntnissen und wenig Aufwand zur Entspannung kommen. Die speziellen Hörübungen sind extra dafür zusammengestellt worden, den Blutdruck sanft und zu jeder Tageszeit zu senken.“

Download_Entspannungsuebung4Übung. Jana Pfeiffer lud sich das neuroaudio-linguistische Programm bequem zu Hause aus dem Internet herunter (kostenloses Beispiel: www.mindvisory-seminars.de/hoerprobe/). Ziel der drei Audiotracks ist, dem Zuhörer zu helfen, den Alltag besser loszulassen, sich bewusst Momente der Entspannung zu suchen und vor allem besser zu schlafen.

Training_Entspannung3Schnell. „Bei den Texten ging es vor allem darum, meine Gedanken schweifen zu lassen, meinen geistigen Focus zu verändern und so ein tiefes Gefühl der Entspannung herbeizuführen. Erstaunlich: Ich brauchte nur drei- bis viermal pro Woche eines der drei, knapp 30minütigen Programme zu hören und schon war ich spürbar gelöster und ruhiger.“

Joggen_JanaPfeiffer4Runterschalten. Nächster Schritt war die Lebensstil-Änderung. „Sport ist zwar generell gut für den Kreislauf – sie sollten allerdings auf eine niedrigere Belastungsstufe wechseln“, rät der Mediziner der Hobbysportlerin. „Statt mit Powertraining und Dauer-Zumba den Körper zusätzlich zu stressen, hilft regelmäßig Walken und lockeres Joggen Stress abzubauen. Wichtig: der Puls sollte dabei nur um die 120 Schläge pro Minute liegen“

Wirkung. Nach gerade mal zwei Woche fiel Jana auf, dass sie schneller einschlafen konnte und morgens erholter aufwachte. Nach weiteren Wochen stellte sie in einer klassischen Stress-Situation im Job fest, dass sie sich hinterher erheblich weniger mitgenommen fühlte. Und nach sechs Wochen bestätigten Kontroll-Messungen, dass Jana auf dem richtigen Weg war: der Blutdruck war deutlich niedriger. Jetzt konnte sie die Medikamente deutlich reduzieren

Diagnostik_MessungResultat. Nach einem weiteren Monat mit Entspannungsübungen stabilisierten sich die Werte im Normbereich, so dass ein Auslass-Versuch begonnen werden konnte. Mit Erfolg: Vier Wochen ohne Tabletten pendete sich das Messgerät bei hochnormalen 137 zu 81 ein. „Ich war super happy. Da war einerseits der Stolz, es ganz ohne Medikamente geschafft zu haben“, sagt sie. „Andererseits spürte ich auch, wie langsam aber sicher auch meine so vertraute Kraft zurückkehrte. Heute schätze ich sie allerdings wesentlich mehr und haushalte besser. Damit es so bleibt, setze ich mir weiter regelmäßig meine Kopfhörer auf und mache mein Entspannungsprogramm.“

Experte_DrPaschen4Vier Fragen an Dr. Björn Paschen (50), Blutdruckspezialist aus Hamburg

Hoher Blutdruck – ist das nicht eigentlich eine Männer-Krankheit? Leider nein. Während man früher glaubte, dass Frauen gegen Hochdruck gefeit seien, weiß man heute, dass jede vierte Frau zwischen 25 und 69 hierzulande zu hohe Werte hat. Auslöser ist das moderne Multitasking zwischen Familie, Beruf und Haushalt. Hinzu kommt, dass das Leben generell stressiger geworden ist. Auch hormonelle Umstellungen durch Schwangerschaft, Pille und Wechseljahre tragen dazu bei.

Was macht „Hypertonie“ überhaupt so gefährlich? Zwar tut Bluthochdruck oft nicht weh. Dennoch ist ein chronisch erhöhter Blutdruck ein erhebliches Risiko fürs Herz, die Nieren, das Gehirn und die Gefäße. Die Folgen können lebensbedrohliche Krankheiten wie Schlaganfall und Herzinfarkt sein. Weltweit sind jährlich rund 9,4 Millionen Todesfälle auf erhöhten Blutdruck zurückzuführen. Hypertonie ist damit der wichtigste veränderbare Risikofaktor für eine tödliche Erkrankung.

BetablockerWarum führen Blutdrucksenker häufig nicht zum Ziel? Experten schätzen, dass jeder vierte Hochdruck-Patient seine verordneten Blutdrucksenker widerwillig und dadruch unregelmäßig einnimmt. Ein Grund: Menschen, die sich mit hohem Blutdruck gefährlich vital und leistungsfähig fühlen, leiden bei sinkendem Druck oft unter Antriebslosigkeit Schwächegefühl und Müdigkeit.

Stadtpark_JanaPfeifer7Stimmt es, dass die medikamentösen Therapie bei Frauen mehr Nebenwirkungen verursachen kann? Leider ja. Zwar senken z.B. Betablocker den Blutdruck bei beiden Geschlechtern gleichermaßen wirksam. Andererseits zeigen Untersuchungen, dass bei Frauen Nebenwirkungen häufiger auftreten können. Ein Beispiel ist die Verlangsamung des Pulses, ein unerwünscht heftiger Abfall des Blutdrucks oder die Störung des Herzrhythmus. Eine Erklärung: Betablocker werden von der weiblichen Leber langsamer verstoffwechselt.

Was kann ich sonst noch machen? Grundsätzlich sollten Sie bei Übergewicht versuchen, Gewicht zu reduzieren. Deneben ist der Verzicht auf Alkohol und Rauchen ganz wichtig. Dazu kommt noch regelmäßige Bewegung. Hier reichen pro Woche schon dreimal 30 Minuten gesteigerte körperliche Aktivität aus. Last but not least: Ausgewogene, gesunde „mediterane Kost“ mit viel Gemüse und pflanzlichen Fetten – und die Reduzierung von Speisesalz.

Hintergrund NLP

Coach_Oldehaver_Entspannungstechniken wie Meditation helfen seit Jahrhunderten dem Menschen innere Ruhe und Gelassenheit zu finden und das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. Der Trick: durch das Einpendeln des Gleichgewichts zwischen Sympathikus und Parasympathikus wird der Schlaf besser, die Psyche stabiler, der Organismus regeneriert sich. Allerdings sollte die Entspannungstechnik anfangs regelmäßig ausgeübt werden – am besten täglich.

Bereits schon länger komplementärmedizinisch bewährt haben sich Muskelrelaxation nach Jacobsen und das Autogene Training. Jetzt kommt immer öfter die neue Methode des Neuro-Linguistischen Programmierens – kurz NLP – dazu.

In den 1970iger Jahren entwickelt mit dem Ziel durch suggestives Mentaltraining geistige Ressourcen effektiver und zielgerichteter einzusetzen und so z.B. Stress-Situationen besser zu bewältigen, dient die Technik jetzt immer häufiger gesundheitlichen Aspekten.

Inzwischen wird NLP nicht nur zur beruflichen und privaten Weiterentwicklung eingesetzt, sondern auch bei körperlichen Beschwerden wie beispielsweise Schlafstörungen, Schmerzen, Bluthochdruck und allgemeiner Abwehrschwäche.

Schnelltest: Habe ich ein Bluthochdruck-Risiko?

  1. Leiden oder litten Eltern oder Großeltern unter einem erhöhten Blutdruck?
  2. Sind Sie übergewichtig, oder essen Sie gerne salzig?
  3. Bewegen Sie sich weniger als dreimal die Woche eine halbe Stunde?
  4. Haben Sie beruflich und/oder privat anhaltenden Stress?
  5. Haben Sie öfter Sehstörungen oder Ohrgeräusche?

Auswertung: Mit jeder positiven Antwort steigt Ihr Risiko, einen arterielle Hypertonus zu entwickeln. Vor allem bei mehrfachen, positiven Antworten sollten Sie selbst den Druck messen – möglichst in Ruhe oder lassen mal Sie ihren Arzt bei nächster Gelegenheit nachmessen.

Programm_MindvisoryMehr Infos: Die notwendige medizinische Untersuchung bei Bluthochdruck und eine eventuell notwendige medikamentöse Therapie werden mit der Kasse abgerechnet. Das MindChange Audiopaket (3 x circa 27 Minuten) ist leider keine Kassenleistung und liegt bei 59,95 Euro

Arztkontakt: Diabetologische Schwerpunktpraxis Hamburg-Harburg, Am Wall 1, 21073 Hamburg, http://www.diabetologie-harburg.de

Entspannungsprogramm: http://www.mindvisory.com

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages