Ohne Antibiotika – Senföle stoppten meine ständigen Blaseninfekte

Selbsthilfe_Fluessigkeit5Glassplitter. Das brennende Problem schlich sich wie eine schlechte Erinnerung in ihre Träume. Mitte 2017 wurde Ulla Frings (49, Name geändert) von äußerst unangenehmen Unterleibsschmerzen kurz vor sechs Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen. „Als hätte mich eine Tarantel gestochen, sprang ich auf, eilte zur Toilette. Als der erste Harn tröpfchenweise lief, fühlte es sich an, als würden sich Glassplitter durch meine Harnröhre bewegen. Und da fiel mir es wieder ein: 30 Jahre zuvor – als junge Frau – hatte ich schon mal eine Blasenentzündung gehabt!“

Selbsthilfe_Waermflasche2Verdacht. Ulla Frings kochte sich erstmal einen Tee, rief danach beim Frauenarzt an und bekam für nachmittags einen Termin. „Die Zeit überbrückte ich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch und viel Trinken. Der Gynäkologe bestätigte schnell meinen Verdacht: nach einer Urinprobe war klar, dass ich eine Blasenentzündung hatte. Mit dem Rezept für ein Breiband-Antibiotikum und einer zweitägigen Krankschreibung verließ ich kurze Zeit später die Praxis  – alles sah danach aus, als wäre es reine Routine.“

Wiederholung. Dank der Erregerhemmer klangen die Beschwerden über Nacht rasch ab. Doch vergessen und vorbei war der Infekt damit nicht. „Statt 30 Jahre dauerte es diesmal knapp 30 Tage, bis es mich das nächste Mal erwischte. Beim Sport hatte ich kurz auf einer kalten Bank gesessen. Gleich am nächsten Morgen wurde ich vom Feuer in der Blase geweckt!“, erzählt die Dolmetscherin.

Arztgespraech_BlasenmodellÜberweisung. Wieder ging die Frau aus Bonn zum Arzt, wieder bekam sie chemisch-synthetische Antibiotika. Und wieder klangen die Beschwerden ab, um bei nächster Gelegenheit aufzuflackern. „Mal war es ein nasser Badeanzug; dann eine Fahrradtour, bei der ich ins Schwitzen gekommen war. Dann ein geselliger Abend mit Freunden open-air im Biergarten. Nach sieben Infekten in sechs Monaten hatte ich die Nase voll. Auch mein Gynäkologe wollte der ungewöhnlichen Attacken-Häufigkeit auf die Spur kommen und überwies mich an einen Experten für die Harn-Organe – an die Urologische Privatpraxis von Frau Dr. Tapken.“

Diagnostik_UltraschalluntersuchungDiagnose. Organische Veränderungen des Speicherorgans oder gar eine Funktionsstörung des Beckenbodens konnte die Fachärztin rasch per Blasenspiegelung bzw. per Ultraschall ausschließen. Die in der Anamnese eher beiläufig erwähnten Zyklus-Unregelmäßigkeiten waren für Dr. Sigrid Tapken allerdings die heiße Spur bei der Ursachensuche

Diagnostik_Harntest3Häufigkeit. „Es gibt zwei klassische Häufigkeitspeeks der ,weiblichen’ Cystitis: Einmal mit Beginn der sexuellen Aktivität Anfang Zwanzig. Dann mit Einsetzen des hormonellen Wechsels und Nachlassen der Östrogen-Produktion Ende Vierzig bis Anfang Fünfzig. In beiden Fällen kommt es zur Irritation der Vagina. Die Barrierefunktion der Schleimhaut wird geschwächt; Fremdkeime können erheblich leichter in die Blase eindringen und sich dort einnisten,“ erklärte die Ärztin ihrer Patientin.

Nebenwirkung. Das Dilemma: bei wiederholter Anwendung können Antibiotika das Problem eher verschlimmern denn verbessern: „Zum einen können die Keime in der Blase Resistenzen ausbilden, was dazu führt, dass Antibiotika immer öfter nicht mehr gegen die bakteriellen Erreger wirken.“, so die Ärztin.

Expertin_Blasenmodell5Dysbalance. Zum anderen wird die natürliche Besiedelung des Darms – das so genannte Mikrobiom – durch die antibakteriell wirkenden Mittel aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Folge kann eine Fehlbesiedlung des Darms sein. Dr. Tapken: „Der Darm ist nämlich auch das Schulungszentrum für die Immunabwehr. Kommt es hier zur Schwächung, können wiederholte Infektionen die Folge sein.“

Neufassung. Zur Vermeidung zunehmender Antibiotikaresistenzen wurden im Jahr 2017 in die neue Fassung der Ärzte-Leitlinie zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfektionen pflanzliche „Harnwegsdesinfizienzien“ wie Kapuzinerkresse und Meerrettich aufgenommen.

Therapie_Angocin2Kombination. Beide tradtionellen Heilpflanzen enthaltenen Senföle als antiinfektiv wirksame Substanzen. Diese Inhaltsstoffe, mit denen sich die Pflanzen gegen Fressfeinde schützen, sind antibakteriell, antiviral und sogar antientzündlich wirksam. Durch Kombination beider Pflanzen und der enthaltenen Senföle wird ein besonders großes Erregerspektrum erreicht.

Arztgespraech_MeerrettichLinderung. „Da bei unkomplizierten Harnwegsinfekten die Beschwerden primär durch die Entzündungsreaktion verursacht werden, ist es wichtig, dass die Senföle auch die Entzündungen abmildern“, erklärt Dr. Sigrid Tapken. „Dabei sind sie viel verträglicher als chemisch-synthetische Antibiotika, da die Phytotherapie notwendig schützenden Keime respektiert. Resistenzen gegen die Pflanzenstoffe auf Seiten der Bakterien sind bislang nicht bekannt. Studien belegen, dass die Senföle auch zur Vorbeugung von erneuten Blasenentzündungen eingesetzt werden können.“

Vorbeugung. Der nächste Schritt in der Praxis gilt der Stabilisierung der Schleimhaut. Die Urologin: „Zur Besserung des vaginalen Milieus stehen eine Vielzahl an Cremés, Salben oder Zäpfchen zur Verfügung, die  oft schon ausreichend unterstützen. Von vielen Frauen wird diese Therapie allerdings als unangenehm empfunden; oder sie ist nicht erfolgreich; oder sie wird in Hinblick auf Krebs abgelehnt.“

Therapie_CO2Laser3Mikrobiologisch. Um auch hier zu helfen, setzt Frau Dr. Tapken seit mehr als zehn Jahren auf die Mikrobiologische Therapie. Dazu wird Darmflora durch Ernährungsumstellung stabilisiert und  mit definierten Prä- und Probiotika reguliert.  Optional kann außerdem ein Immuntherapeutikum hergestellt oder per Elektro-Akupunktur eine hilfreiche Ergänzung angboten werden.

Expertin_CO2LaserLaser. Eine weitere, noch ganz neue Therapie ist die vaginale CO2-Lasertherapie Die Anwendung dauert fünf bis zehn Minuten und ist nahezu schmerzfrei Die Urologin stellt Ulla Frings die Behandlung vor. „Der CO2-Laser sieht aus wie der Schallkopf beim Frauenarzt, wird in die Vagina eingeführt. Über einen Zeitraum von etwa fünf Minuten werden dann Laserimpulse auf das Gewebe abgegeben.“

Revitalisierung. Die Schleimhaut wird durch das energiereiche Licht besser durchblutet und vitalisiert. Sie baut wieder ihre normale Dicke und Abwehrfunktion auf. Erreger können nicht mehr so leicht in die Harnröhre gelangen. Die Barrierefunktion wird stabilisiert. Dr. Tapken: „Zusätzlich kommt es zu einer Vermehrung der Kollagenfasern – so das Ergebnis histologischer Untersuchungen. Das führt zu einem Lifting des Beckenbodens.“

Selbsthilfe_Blasentee5Sanft. Den nächsten Blaseninfekt Ende 2017 bekam Ulla mit viel Trinken (etwa zwei Liter Tee bzw. Wasser) „und mit drei mal vier Tabletten des speziellen Meerrettich-Kapuzinerkresse-Gemisches selbst in den Griff. „Die enthaltenen Senföle wirkten ziemlich schnell – ohne mein Immunsystem in Mitleidenschaft zu ziehen“, erzählt sie zufrieden. „Um besser über den Winter zu kommen, entschied ich mich Anfang des Jahres zusätzlich für den Laser-Eingriff.“

Patientin_UllaFringsErfahrung. Zweimal wurde die Bandlung im Abstand von sechs Wochen wiederholt – „gespürt habe ich dank lokaler Schmerzbehandlung per Gel nichts“, erzählt die Frau begeistert. „Auch danach gab es keine Auffälligkeiten.“

Stabil. So gerieten die Therapien ohne Antibiotika schnell in Vergessenheit. „Erst jetzt, nach einem viertel Jahr, habe ich zu meinem Erstaunen festgestellt, dass ich dieses Jahr noch gar keine Blasenentzündung hatte“, freut sich Ulla. „Wäre toll, wenn das auch die nächsten 30 Jahre so bleibt!“

 

Info Blasenentzündung

Modell_BlaseDie ersten wärmenden Sonnenstrahlen – und schon drängt es alle nach draußen. Doch Vorsicht: das schönste Sonnenbad wird gerade für die Blase schnell zur Kältefalle. Oft reichen wenige Minuten auf einer kühlen Bank, um tagelang unter Harndrang, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen zu leiden.

Typisch „Eva“. Zehntausende werden in den nächsten Wochen akut an einer Blasenentzündung erkranken. Hauptauslöser sind E. Coli-Baktieren, die vom Darm die natürlichen Barrieren wie äußere und innere Schamlippen und die Schleimhaut überwinden und über die Harnröhre in die Blase einwandern.

 

Expertin_Meerrettich2Fünf Fragen an Dr. Sigrid Tapken, Fachärztin für Urologie, Bonn

Warum werden gerade Frauen von Blasenentzündungen so oft heimgesucht? Frauen erkranken aufgrund ihrer hormonellen Disposition und  kürzeren Harnröhre deutlich häufiger.  Unterkühlungen – z. B. im Sommer ein nasse Badehosen oder ein kurzer Rock – schwächen ihren Barriereschild, das den Intimbereich vor Bakterien schützt. Vor allem Erreger vom Darm können dann rasch aktiv werden.

Warum ist der Einsatz von Antibiotika nicht unproblematisch? Zwar bekommen Antibiotika die Keime – in zwei von drei Fällen E.coli-Bakterien – schnell in den Griff. Doch die chemisch-synthetischen Präparate haben oft erhebliche Nebenwirkungen auf den sensiblen Magen-Darm-Trakt und die schützende Vaginalflora. Gute Keime werden weniger, aggressive breiten sich aus. Auch das begünstigt den nächsten Infekt. So kehrt die „Cystitis“ bei jeder vierten bis fünften Frau zurück.

Diagnostik_Harntest4Welche Bedeutung haben die neuen Behandlungsleitlinien? Solche medizinische Leitlinien sind Empfehlungen für den Arzt, die ihn bei der Behandlung seiner Patienten unterstützen. Sie liefern grundlegende Informationen zur Diagnostik und zeigen auf, zu welchen Behandlungsmöglichkeiten klinische Studien mit hoher Aussagekraft vorliegen

Was kann ich bei einer Blasenentzündung selber tun? Sofern kein Fieber vorliegt und die Nieren nicht bereits angegriffen sind, rate ich meinen Patienten, den Infekt ruhig erst einmal mit den pflanzlichen Präparaten und viel Trinken selbst zu behandeln. Vorteil hierbei ist, dass die Therapie oft viele Stunden früher beginnen kann, als wenn sie darauf warten müssen, bis ein Arzt ein Rezept ausstellt. Zudem wird die Phytotherapie deutlich besser vertragen und Resistenzen werden vermieden.

Therapie_CO2LaserWann sollte ich zum Urologen? Wer zwei Mal in sechs Monaten bzw. drei Mal pro Jahr unter lästigem Brennen und Schmerzen beim Wasser lassen leidet, sollte zum Spezialisten. Nicht selten ist die Drangblase das einzige Symptom und sollte urologisch abgeklärt werden.Hier könnte eine organische Schwäche Auslöser sein. Medikamente allein helfen dann nicht weiter. Es müssen organische Ursachen wie Fehlbildungen, Blasentumore, Blasensteine oder Blasenfunktionsstörunen als Ursache ausgeschlossen werden. Und selbstverständlich gehört zur jeder Abklärung eines wiederholten Harnwegsinfekt auch die Untersuchung der Stuhlflora und der Vaginalschleimhaut.

 

Info Antibiotika-Resistenz

AntibiotikumEs war die Sternstunde der modernen Medizin: die zufälltige Entdeckung der Antibiotika 1926. Abermillionen Patienten verdanken Bakterienkillern wie Penicillin, Streptomycin, Aureomycin oder Tetracyclin ihr Leben. Jeder vierte Patient bekommt mindestens einmal pro Jahr Antibiotika verordnet – das sind mehr als 18 Millionen Deutsche.

Doch jetzt droht Gefahr: Immer mehr Erreger reagieren nicht mehr auf die Mittel. Denn mit jeder Einnahme steigt leider die Zahl der resistenten Keime in unserem Körper. Die einstige Wunderwaffe gegen Bakterien verliert so zunehmend ihre Wirkung. So lang ständig neue Antibiotika in die Apotheke kamen, war das alles noch kein Problem. Doch in letzter Zeit werden kaum noch neue Erregerstopper zugelassen. Und die Labor-Pipelines sind leer. Kaum ein großer Mediziner-Kongress, auf dem nicht vor Resistenzen gewarnt wird.

Phytotherapie_MeerrettichHilfe bietet hier die Wiederentdeckung der mikrobiologische Therapie und pflanzlicher Antibiotika. Traditionell hat sich Kapuzinerkresse in Kombination mit Meerrettich bei der Behandlung von Infektionen der Harnwege, der Atemwege und der Nasennebenhöhlen außerordentlich gut bewährt. Die beiden Heilpflanzen verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung.

Im Gegensatz zu chemischen Antibiotika wirken die Senföle nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Viren und zusätzlich antientzündlich. Darüber hinaus töten sie nicht die für die Verdauung und Immunabwehr nützlichen Darmbakterien ab.

Diagnostik_Harntest2Bakterienresistenzen gegen die Senföle wurden selbst bei Langzeitgaben der Pflanzenstoffe bislang nicht beobachtet. Bei akuten Beschwerden gibt es standardisierte Präparate in der Apotheke.

Je nach Schweregrad des Infektes nehmen Sie drei- bis fünfmal täglich vier bis fünf Filmtabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit nach den Essen  ein. Zur Vermeidung von wiederkehrenden Blasenentzündungen empfehlen Experten vier Tabletten zur Nacht oder  zweimal täglich zwei Filmtabletten – ebenfalls am besten nach dem Essen.

 

Infos Senföle: www.pflanzliche-antibiotika.de

Praxis_DrSigridTapken2Arztkontakt: Privatpraxis für Urologie Dr. Sigrid Tapken, Quantiusstraße 21, 53115 Bonn, Tel. 0228/2072604, www.urologin-tapken.de

Kosten: Ein Erstgespräch (30 Min.) liegt etwa bei 40 Euro, 200 Tabletten ANGOCIN Anti Infekt N ca. 25 Euro. Der Laser wird nach Aufwand abgerechnet und liegt derzeit pro Behandlung bei circa 400 Euro

Wichtig: bei der vorgestellten Patientingeschichte handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages