Spezialnadeln gaben mir meinen Adlerblick zurück

Pause. Kurz abschalten, Beine hochlegen und gemütlich eine Tasse Kaffee trinken. Renate Gerhard (heute 63) hatte sich auf den Feierabend wirklich gefreut. Und da die Sonne schön schien, setzte sich die Altenpflegerin an diesem Junitag vor drei Jahren draußen auf die Terasse vor ihr Haus in Steinfeld (nahe Würzburg) und ließ den Blick schweifen.

Unterbrechung. „Weit kam ich nicht“, erinnert sich die seit dem 1. Januar 2019 frischgebackene Rentnerin. „Die neuerrichtete Photovoltaikanlage auf dem Dach unseres Nachbarn jagte mir einen riesigen Schrecken ein: Bis dato waren die Elemente wie am Schnürchen rechtwinklig ausgerichtet. Jetzt hatten die Fugen plötzlich ganz komische Dellen und Wellen bekommen.“

Erkenntnis. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden wich das anfängliche Erstaunen einem schrecklichen Verdacht. „Wer – so wie ich – 28 Jahre lang in der Altenpflege tätig war und viele Menschen mit Makuladegeneration betreut hat, realisiert schnell, dass die Wellen nichts mit den Solarfeldern zu tun haben, sondern mit den eigenen Augen. Und wer dazu noch einen Papa hatte, der seine letzten 20 Lebensjahre blind leben musste, der sitzt – so wie ich – gleich am nächsten Tag in der Augenklinik und wartet nicht ein viertel Jahr auf den nächsten, freien Termin.“

Befund. Nach genauer Untersuchung des Augenhintergrunds und Ultraschallmikroskopie der Netzhaut stellte der Augenarzt fest, dass hinter den Beschwerden auf beiden Augen eine so genannte Altersbedingte Makuladegeneration – kurz AMD – steckt. Links etwas stärker als rechts.

Hintergrund. Die Schädigung der Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens – der Makula –  ist inzwischen häufigste Erblindungsursache in der westlichen Welt. 85 Prozent der Betroffenen leiden – wie Renate Gerhard – an der trockenen Form. Dabei kommt es zu Stoffwechsel-Ablagerungen, die die Sehkraft langsam aber sicher verschlechtern.

Risiko. Aus eigener Erfahrung wusste die Altenpflegerin, dass zudem die Gefahr des Übergangs in die so genannte feuchte Form besteht. „Dann wuchern krankhafte Gefäße hinter den Punkt des schärfsten Sehens ein“, bestätigte ihr der Augenarzt. „Weil die Wände dieser Gefäße instabil sind, treten Blut und Flüssigkeit aus, die die Sehzellen mehr und mehr zerstören“.

Alternative. Da der Arzt vorbeugend keine Therapie anbieten konnte, fühlte sich Renate Gerhard ziemlich allein gelassen. „All’ die traurigen Erlebnisse mit meinem Vater kamen wieder hoch. Mein erster Gedanke war: jetzt gehst Du nach Hause und sortierst deine Kleidung – so lange Du noch sehen kannst, was farblich zusammenpasst.“

Zufall. Um nicht völlig untätig zu sein, achtete Renate fortan zumindest auf Lutein-haltige Ernährung (siehe Experten-Interview). Die Lebensverändung selbst konnte die Altenpflegerin nicht geheimhalten. „Ende des Sommer 2016 sprach mich eine Kollegin darauf an. Und da schüttete ich ihr mein Herz aus – zum Glück. Denn zufälligerweise hatte sie gerade etwas zum Thema AMD in einer Zeitschrift gelesen. Gleich am nächsten Tag brachte sie mir einen Artikel über die neue Augenakupunktur und Jens Backof zur Arbeit mit!“ 

Schmerzfrei. „Dabei brauchen Sie nicht zu befürchten, dass Ihnen direkt ins Auge gestochen wird“, beruhigte sie der Experte aus Östringen-Odenheim (nahe Karlsruhe) beim Vorgespräch am Telefon. „Es werden ausschließlich Punkte am Körper z.B. oberhalb der Augenbrauen und rund um die Gelenke an Händen, Knien und Füßen genadelt.“

Wirkung. Studien belegen eine Wirksamkeit der Augenakupunktur zwischen 60 und80 Prozent. So konnte an der Augenklinik der Universität Graz experimentell eine vermehrte Durchblutung der Augenarterien durch Akupunktur und eine damit verbundene Verbesserung der Sehkraft nachgewiesen werden. Dort arbeitet man seit vielen Jahren mit einer chinesischen Ärztin zusammen.

Ablauf. Die Erstbehandlung von Renate Gerhard erfolgte blockweise über zwei Wochen – jeweils von Montags bis Freitag. „Dazu wurde ich in den zehn Tagen zweimal täglich jeweils für 30 Minuten akupunktiert. Nach einer Pause von mindestens einer Stunde erfolgte die zweite Behandlung des Tages.“

Nachhaltig. Vier Monate später hat Renate Gerhard ihren nächsten Kontrolltermin in der Augenklinik. Dort ist man erstaunt. „Haben Sie eine neue Brille?’ wurde ich gefragt“, schmunzelt Renate Gerhard. „Und als ich verneint und nach dem wieso fragt, bekam ich die Antwort: „Weil ihr Sehkraft besser geworden ist!“

Stabilisierung. So bestärkt gibt sie die Adresse des Heilpraktikers gerne an ihren älteren Bruder Erich Werthmann (67) weiter, als der ihr kurz darauf berichtet, dass man bei ihm ebenfalls eine trockene AMD festgestellt habe.

Stark. „Um das Ergebnis zu erhalten fahren wir jetzt alle vier bis sechs Wochen gemeinsam für einen Tag von Würzburg zu Herrn Backof und lassen uns dort die Spezialnadeln setzen“, erzählt sie. „Natürlich weiß ich, dass es bei der AMD keine Garantie gibt. Aber immerhin ist es bislang zu keiner Verschlechterung gekommen. Meinen Adlerblick habe ich immer noch. Und das Thema Erblindung ist für mich stets im Hintergrund noch da, aber längst nicht mehr so bedrohlich. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie glücklich mich das macht!“

Vier Fragen an Heilpraktiker Jens Backof (53)

Worin unterscheidet sich die Augenakupunktur von der traditionell chinesischen Akupunktur?Die neue Augenakupunktur wurde von dem dänischen Professor John Boel entwickelt. Bei ihm persönlich habe ich das Verfahren vor 18 Jahren erlernt.

Wie groß ist die Chance auf Heilung? Bei der Behandlung von degenerativen Erkrankungen kann man grundsätzlich nicht von Heilung sprechen. Das wäre zu viel verlangt. Aber in 60 bis 70 Prozent kann die Augenakupunktur den Zustand messbar verbessern oder zumindest ein Fortschreiten der AMD positiv beeinflussen.

Wie kann ich meine Augen selbst schützen? Besonders empfindlich reagiert unser Auge auf Sonnenlicht. Der hohe Anteil von UV-Strahlen kann die empfindlichen Sinneszellen im Auge zerstören. Gerade der Punkt des schärfsten Sehens ist gegenüber dieser energiereichen Strahlung sensibel. Bester Schutz – bereits für Kinder – sind Sonnenbrillen mit UV-Filter 400, denn nur dieser filtert die gefährliche Blaustrahlung heraus.

Und was ist mit einem gesunden Lebensstil? Rauchen und schlechte Ernährung fördert die Bildung der aggressiven Substanzen. Vor allem Vitamin C (in Orangen, Zitronen, Hagebutte) und Vitamin E (in Weizenkeimöl, Nüsse und Avocado) können die „freien Radikale“ unschädlich machen. Aber auch Pflanzenfarbstoffe wie Lutein und Zeaxanthin schützen. Beide kommen überwiegend in grünem Gemüse wie Grünkohl, Spinat und Brokkoli vor. Zink, Kupfer und das Vitamin B6 haben wiederum einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und den Stoffwechsel und können so AMD vorbeugen.

Kurzcheck: Wie hoch ist mein AMD-Risiko?

  1. Ich bin über 50 Jahre alt
  2. Ich wurde schon einmal wegen des Grauen Stars operiert
  3. Ich rauche
  4. Ich ernähre mich unausgewogen
  5. Meine Augen sind oder waren lange starkem Sonnenlicht ausgesetzt
  6. Ich habe blaue Augen
  7. In meiner Familie gab es bereits Fälle von AMD
  8. Ich bin eine Frau

Auswertung:

Mit jeder positiven Antwort steigt Ihr Risiko an AMD zu erkranken. Wichtigster Risikofaktor ist das Alter: jeder Vierte über 65. Jahre zeigt Zeichen einer AMD. Deshalb sollten sich von Ihrem Augenarzt ab 50 halbjährlich untersuchen und beraten lassen.

Mehr Infos:

Therapeutenadresse: Naturheilpraxis Jens Backof, Bergwiese 20, 76684 Östringen-Odenheim (nahe Karlsruhe), Tel.: 07259-9296804, Internet: www.naturheilpraxis-backof.de

Kosten: Die Behandlung beim Heilpraktiker wird generell nicht mehr von der gesetzlichen Kasse erstattet. Ein 14tägiger Behandlungszyklus (2x 10 Behandlungen) liegt bei 1500 Euro.

Wichtig: bei der vorgestellten Patienten-Reportage handelt es sich um einen Einzelfall. Der individuelle Behandlungsbericht erhebt nicht Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Therapieergebnisse sind generell individuell. Bitte beachten Sie, dass meine Artikel in keinem Fall eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker ersetzen. Dieser Blog dient allein der medizinjournalistischen Information.

One thought on “Spezialnadeln gaben mir meinen Adlerblick zurück

  1. Werte Frau Gerhard, nachdem ich von meiner Freundin die Zeitschrift Tina bekam und ihren Bericht gelesen habe, hätte ich Sie so gerne kontaktiert. Auch ich bin betroffen und in der Augenklinik in Lohr bei Dr. Littan in Behandlung. Fuhren Sie jeden Tag die Strecke zur Behandlung, ich bin total faziniert. Manche sagen dann, pass auf das ist scharlatanerei

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About André Berger

Geboren in Hamburg. 1986-1990 freier Reporter. 1991 Redakteur Heinrich Bauer Verlag. Seit 1992 freier Medizinreporter Meine Arzt- & Patienten-Reportagen (Text & Fotos) erscheinen regelmäßig in den großen, wöchentlichen Publikums- und Frauenzeitschriften des Burda-Verlags, der Funke-Gruppe und des Bauer Verlages